Mein Abenteuer: Expedition auf dem Amazonas
Peru, Kolumbien, Brasilien - Von Iquitos nach Belem
Start im peruanischem Iquitos
Ich habe das Buch vom kolumbianischen Literaturnobelpreisträger Gabriel Garcia Marquez „Liebe zu Zeiten der Cholera“ gelesen und wollte daraufhin immer in Südamerika einen großen Fluss bereisen. Nun bin ich hier auf Expeditionskurs. Ab Iquitos, Peru, geht es 4.500 KM auf den Amazonas bis nach Belem, Brasilien auf eine Abenteuerreise.
Iquitos, Peru
Unsere erste Station von München über Madrid und Lima kommend ist Iquitos, die größte Stadt im tropischen Regenwald des südamerikanischen Anden-Staates Peru und die Hauptstadt der Region Loreto sowie der Provinz Maynas. Die Stadt ist per Straße von der Außenwelt abgeschnitten und nur mit dem Flugzeug oder mit dem Boot über den Amazonas zu erreichen.
Die Stadt liegt zwischen den Flüssen Río Itaya (im Süden) und Río Nanay (im Norden), die dort in den Amazonas münden. Iquitos liegt 125 km unterhalb des Zusammenflusses der beiden Hauptquellflüsse des Amazonas, Río Ucayali und Río Marañón und wurde um 1750 als Mission der Jesuiten gegründet. Ursprünglich war sie eine Verteidigungsbastion gegen die indigene Bevölkerung, die sich der Bekehrung widersetzte.
Die kleine Siedlung mit 1500 Einwohnern entwickelte sich ab dem Ausbruch des Kautschukbooms, der zwischen 1870 und 1880 einsetzte, wirtschaftlich enorm weiter. In den folgenden 30 Jahren galt Iquitos als das Zentrum der Kautschukgewinnung und des -handels. Während die Eingeborenen gezwungen wurden, auf den Plantagen zu arbeiten und dabei, wie Sklaven behandelt wurden, erwirtschafteten die „Kautschukbarone“ in dieser Zeit erheblichen Gewinn und entsprechendes Vermögen. Dieser Boom endete abrupt, als es dem Briten Henry Wickham gelang, Samen der Kautschukpflanze aus Brasilien nach Asien zu schmuggeln
Da Iquitos nahe am Äquator liegt, herrscht dort ein feuchttropisches Klima, mit Temperaturen von 20 °C bis 36 °C. Die Durchschnittstemperatur beträgt 28 °C bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit
1981 drehte Werner Herzog hier seinen Film Fitzcarraldo mit Klaus Kinski in der Hauptrolle, der die typische Urwaldatmosphäre gut einfängt. Einen besonderen Akzent setzte Herzog mit dem Einsatz des einheimischen Laiendarstellers Huerequeque.
Auf der Plaza de Armas steht die imposante Kirche von Iquitos. Das katholische Gotteshaus ist zugleich auch das höchste Gebäude der Stadt. An der östlichen Ecke der Plaza de Armas wurde die Casa de Hierro, das Eisenhaus, errichtet, ein nur aus Metall gebautes Gebäude, das der französische Architekt Gustave Eiffel entworfen hat. Der Stadtteil Belén (dt.: Bethlehem) am Amazonasufer ist zum Teil auf Stelzen gebaut. Hier wohnen die verarmten Indigenen der Stadt.
Von Iquitos nach Pebas: Eine Reise zu den Hütern des Amazonas
Unsere Expedition beginnt in Iquitos, der Stadt, die man nicht auf dem Landweg, sondern nur über den Amazonas erreichen kann. Von hier aus folgen wir dem mächtigen Amazonas stromabwärts, tiefer hinein in das dichte Smaragdgrün des peruanischen Regenwaldes. Unser Ziel ist Pebas – ein Ort, der so abgeschieden liegt, dass die Zeit dort einen anderen Rhythmus hat.
Aufbruch in die Wildnis
Bevor wir das Boot verlassen, rüsten wir uns für die Wildnis: Gummistiefel sind ein unverzichtbarer Schutz gegen die Milben im dichten Gras. Unsere Kleidung ist großzügig mit Moskitospray imprägniert. Mit einem Boot gleiten wir über einen schmalen Seitenarm. Das grau/gelbe Wasser des Amazonas drückt das schwarze Wasser aus den Nebenflüssen zurück. Ein spektakuläres Farbenspiel aus Wasser.
Begegnung mit den Bora: Rhythmus und Tradition
Tief im dichten Dschungel erreichen wir die Siedlung der Bora. Das soziale Herz des Dorfes ist die Maloca – ein gewaltiges, rundes Gemeinschaftshaus, das Geborgenheit und Geschichte ausstrahlt.
Die Bora empfangen uns in ihrer traditionellen Tracht aus der Rinde des Yanchama-Baumes, kunstvoll bemalt mit geometrischen Mustern, die ihre Naturverbundenheit widerspiegeln. Dann beginnt das Spektakel der Klänge:
+Die Manguarés: Zwei monumentale, hohle Baumstämme (männlich und weiblich) geben den Takt vor. Ihr tiefes Grollen war einst das „Telefon des Dschungels“ und trug Botschaften bis zu 20 km weit.
+Die Tänze: Wir werden Zeugen ritueller Kraft. Beim Danza de la Viga feiern sie die Ernte der Pijuayo-Palme, während beim Danza de la Boa die Tänzer die geschmeidigen Bewegungen der heiligen Riesenschlange imitieren. Bei den rhythmischen Kriegstänzen, begleitet von Flöten und Rasseln, spürt man die stolze Geschichte dieses Volkes.
Die Dämmerung beginnt und wir müssen uns sputen unser Expeditionsschiff zu erreichen. Morgen verlassen wir Peru und landen in Kolumbien an.
Kolumbien
Isla de los Micos – die Affeninsel
Wir lassen Peru hinter uns und gleiten tiefer in das grüne Herz Kolumbiens. Unser Ziel: Die mysteriöse Isla de los Micos – die Affeninsel. Rund 20 Kilometer flussaufwärts von Leticia gelegen, verbirgt dieses 450 Hektar große Eiland eine dunkle Geschichte, die sich in ein Naturparadies verwandelt hat. Wo in den 60er Jahren der Amerikaner Mike Tsalikys noch Affen für die Kosmetikindustrie züchtete, regieren heute tausende Totenkopfäffchen den Dschungel.
Kaum haben wir den Fuß an Land gesetzt, geht das Spektakel los: Die flinken Primaten kennen keine Distanzzone. Mit unglaublicher Geschwindigkeit springen sie von den Urwaldbasen direkt auf Köpfe und Schultern. Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit, und die Brille ist bereits in den Baumwipfeln verschwunden!
Nachdem uns Indigene mit einem rituellen Fruchtbarkeitstanz begrüßt haben, wartet eine kulinarische Mutprobe: Frische Larven. Ob „naturbelassen“ und zappelnd oder knusprig gegrillt – ein Geschmackserlebnis direkt aus der Vorratskammer der Natur. Bevor wir die Insel verlassen, entdecken wir im dichten Unterholz ein perfekt getarntes Boa-Baby. Noch winzig, wird es einmal als vier Meter langer Jäger durch das Geäst gleiten.
La Libertad und die Wächter des Waldes
Die Reise führt uns weiter flussabwärts nach La Libertad. Hier begegnen wir den Yagua, den stolzen „Wächtern des Waldes“. Es ist ein Eintauchen in eine Welt, die ihren eigenen Rhythmus bewahrt hat. Die Männer empfangen uns in traditionellen Röcken aus Palmfasern, die Frauen in leuchtend roter Baumwolle, ihre Körper kunstvoll mit dem tiefroten Farbstoff der Achiote-Beere bemalt.
Zu den dumpfen Schlägen der Trommeln erleben wir die Atunas, ihre traditionellen Tänze, bevor sie uns ihre legendäre Jagdkunst präsentieren: Mit dem Blasrohr (Pucuna) und in Curare-Gift getauchten Darts zeigen sie eine Präzision, die über Generationen perfektioniert wurde. Zwischen ihren Selbstversorger-Plantagen tief im Dschungel wird spürbar, wie tief die Wurzeln dieser Gemeinschaft mit dem Atem des Amazonas verbunden sind.
Trea Fronteras- einzigartiges Dreiländereck und Leticia
Leticia ist eine kolumbianische Hafenstadt am Amazonas, die zusammen mit Tabatinga (Brasilien) und Santa Rosa (Peru) ein einzigartiges Dreiländereck (Tres Fronteras) bildet. Die Region im tiefen Amazonasbecken ist für ihre kulturelle Mischung, den intensiven Handel und als Ausgangspunkt für Dschungelexpeditionen bekannt, wobei Leticia oft als der Hauptknotenpunkt dient. Leticia liegt im äußersten Süden Kolumbiens am linken Ufer des Amazonas, umgeben von dichtem Regenwald. Es herrscht tropisches Klima mit hohen Temperaturen um 27°C und hoher Luftfeuchtigkeit.
Die Stadt ist nicht an das öffentliche Straßennetz angeschlossen. Die Anreise erfolgt fast ausschließlich per Flugzeug (meist aus Bogotá) oder mit dem Boot über den Amazonas (von Manaus/Brasilien oder Iquitos/ Peru, sowie wir auch gekommen sind.
Die Städte Leticia (Kolumbien) und Tabatinga (Brasilien) sind zusammengewachsen, ein freier Übergang ist oft möglich. Peru (Santa Rosa) ist mit dem Boot in wenigen Minuten erreichbar.
Die Anlandung mit dem Schiff. Ist etwas Besonderes. Wir Ankern in der Flussmitte und die Grenzschutzpolizei aller drei Länder kommt zur Kontrolle an Bord, prüft die Pässe und Schiffspapiere.
Durch die Nähe zu drei Ländern ist die Küche und Kultur in Leticia sehr vielseitig, mit Einflüssen aus Kolumbien, Brasilien und Peru. Aufgrund unterschiedlicher Ölpreise ist Leticia ein beliebter Ort zum Tanken für Bewohner aus Nachbarländern.
Leticia dient als Basis für Dschungeltouren, Besuche im Nationalpark Amacayacu und Fahrten auf dem Amazonas. Trotz der Nähe haben Leticia und das angrenzende Tabatinga unterschiedliche Zeitzonen. Auf dem Handy springt die Uhrzeit je nach Empfang durch den kolumbianischen oder brasilianischen Anbieter immer hin und her.
Die örtliche Polizei und die Stadtverwaltung hat heute alles aufgeboten, was Beine hat, um Ankommende am Pier zu begrüßen. In der Stadt patrouilliert Militär und Polizei. Trotzdem muss man auf Taschendiebe aufpassen.
Der Amazonas ein Strom mit aufregender Geschichte
Wir bereisen den Amazonas, ein Strom im nördlichen Südamerika, der in den Anden entspringt. Etwa 300 km südlich des Äquators durchquert er Peru, berührt die äußerste Südgrenze Kolumbiens und fließt weiter durch die brasilianischen Bundesstaaten Amazonas und Pará bis zum Atlantik.
Seit einigen Tagen sind wir auf dem Fluss unterwegs und werden nach 3 Wochen rund 4.500 KM auf dem Amazonas und einem Teil seiner Nebenflüsse zurücklegen. Grund genug ein paar Informationen über diesen gewaltigen Strom zu sammeln.
Der Amazonas ist mit einer mittleren Wasserführung von 206.000 m³/s der mit Abstand wasserreichste Fluss der Erde und führt an der Mündung mehr Wasser als die sieben mächtigsten Flüsse, die kleiner sind als er, zusammen. Er führt ca. 70-mal so viel Wasser wie der Rhein mit sich.
Der Uramazonas: Ein Fluss gegen den Strom
Vor Millionen von Jahren sah die Welt im Amazonasbecken völlig anders aus. Der „Uramazonas“ war ein gigantisches Flusssystem mit einer dramatischen Geschichte.
Vor dem Auseinanderbrechen des Urkontinents Gondwana floss der Vorläufer des Amazonas in die entgegengesetzte Richtung – von Osten nach Westen – und mündete in den Pazifik. Einer Theorie zufolge lag die Quelle des Uramazonas vor etwa 130 Millionen Jahren im heutigen Afrika (Ennedi-Massiv im Tschad). Mit einer hypothetischen Länge von 14.000 km wäre er der längste Fluss der Erdgeschichte gewesen. Erst durch die Auffaltung der Anden vor ca. 10 bis 15 Millionen Jahren wurde der Weg zum Pazifik blockiert. Es entstand ein riesiger Binnensee, bis das Wasser schließlich nach Osten durchbrach und den heutigen Weg zum Atlantik fand.
Die berühmten Rosa Flussdelfine und bestimmte Meeresfische bei Iquitos sind lebende Beweise dieser Ära; sie wanderten ursprünglich aus dem Pazifik ein und passten sich dem Süßwasser an, als sie durch die Anden isoliert wurden.
Der Amazonas heute: Das grüne Herz der Erde
Heute ist das Amazonasbecken ein Ökosystem der Superlative und ein entscheidender Faktor für das Weltklima. Mit einer Fläche von etwa 7 Millionen km² (20-mal so groß wie Deutschland) erstreckt es sich über neun Staaten, wobei etwa 60 % auf Brasilien entfallen. Der Amazonas ist der wasserreichste Fluss der Erde und transportiert etwa 20 % des globalen Süßwassers ins Meer.
Die Artenvielfalt ist unglaublich:
Über 50.000 Pflanzenarten und 16.000 Baumarten gibt es.
Heimat für den Jaguar, Riesenotter, Kaimane und über 3.000 Fischarten. Wissenschaftler schätzen, dass hier noch immer 10 % aller weltweit unentdeckten Arten leben.
Rund 30 Millionen Menschen leben heute in der Region, darunter etwa 385 indigene Völker, die eng mit dem Regenwald verbunden sind.
Aktueller Zustand und Bedrohung
Der Regenwald speichert enorme Mengen Kohlenstoff. Große Teile sind jedoch durch illegale Abholzung bedroht. In den letzten 40 Jahren sind fast 10 % der natürlichen Vegetation verloren gegangen. Erste Gebiete im Osten fungieren bereits nicht mehr als CO2-Senke, sondern geben mehr Kohlenstoff ab, als sie speichern.
Die drei Wasserarten des Amazonas
Die Flüsse im Amazonasbecken unterscheiden sich stark in Chemie und Farbe:
Das Weisswasser ist Lehmfarben, Sedimentreich und kommt aus den Anden. Das Wasser ist sehr fruchtbar.
Das Schwarzwasser ist Dunkel/ Kaffeebraun ist sauer und hat wenig Nährstoffe (Huminsäuren). Man trifft es im Sumpfwald an.
Das Klarwasser ist transparent, Nährstoffarm und entspringt in alten Gebirgen. Das Wasser findet man in kristallklaren Nebenflüssen.
Encontro das Aguas nahe Manaus – Das Treffen der Gewässer
Eine Besonderheit ist das Encontro das Águas", das Treffen der Gewässer nahe Manaus, wo der schwarze Rio Negro und der sandfarbene Rio Solimões kilometerlang nebeneinander fließen, ohne sich zu vermischen.
Der Amazonas überschwemmt saisonal weite Waldgebiete, die als Varzéa (Weißwasser) oder Igapó (Schwarzwasser) bezeichnet werden. Die Flüsse können um bis zu 20 Meter in der Regenzeit ansteigen.
Dschungel-Abenteuer am Amazonas: Von Faultieren und flinken Affen
Der Tag beginnt mit einem spektakulären Erwachen der Natur: Ein wunderschöner Morgen empfängt uns mit einem dramatischen Wolkenspiel über dem endlosen Horizont des Amazonas. Nach dem Frühstück heißt es „Abfahrt“. Unser Schiff liegt ruhig vor Anker, während wir in die Zodiaks umsteigen. Unser Ziel: der Panelas, ein kleiner Weißwasserfluss, der uns tief in das Herz des Dschungels führen sollte.
Kaum waren wir in die Seitenarme eingetaucht, kam der erste Erfolg. Dank geschulter Augen unseres Guides und Ferngläser entdeckten wir ein junges Faultier, das völlig entspannt und gut getarnt in einer der hohen Baumkronen hing. Ein Anblick, der sofort entschleunigt!
Die Vogelwelt um uns herum ist zwar prachtvoll und bunt, stellt uns aber vor eine Herausforderung: Die Tiere sind so flink, dass sie oft schon wieder im dichten Grün verschwinden, bevor wir die Kamera überhaupt auslösen konnten. Als frisch angekommene Europäer fehlt uns noch der geschärfte Blick für die perfekt getarnten Bewohner; für uns wirkt der Dschungel oft wie eine einzige, undurchdringliche Wand aus Grün. Doch unser Guide macht uns Mut: „Am Ende der Reise seht ihr Dinge, die ihr jetzt noch überseht.“
Ein weiteres Highlight war die kurze Begegnung mit einer Gruppe Totenkopfäffchen. Wir sahen Bewegung in den Wipfeln, konnten die flinken Primaten kurz aus der Ferne beobachten, bevor sie sich wieder ins sichere Dickicht zurückzogen.
Besonders dankbar sind wir für das stabile Wetter. Obwohl wir im „Regenwald“ sind, wo heftige Schauer innerhalb von Minuten losbrechen können, blieb es heute trocken. Am Nachmittag hieß es dann „Anker lichten“. Wir setzten unsere Reise fort in Richtung des Rio Jutaí. Der Wechsel zum Schwarzwasserfluss ist nicht nur landschaftlich reizvoll, sondern für uns auch essenziell, um unsere Wasservorräte wieder aufzufüllen.
Brasilien
Rio Jutai: Schwarzwasserfluss und unberührter Tropischer Regenwald
Am späten Nachmittag erreichen wir den Rio Jutai. Bei der Einfahrt in den Fluss vom Amazonas aus können wir beobachten, wie sich das Schwarzwasser des Rio Jutai mit dem Weißwasser des Amazonas mischt.
Wenige Kilometer hinter der Mündung ankern wir. Am Abend erleben wir einen schönen Übergang vom Tag auf die Nacht mit spektakulären Wolkenformationen. Danach erscheint der Vollmond über dem Rio Jutai in voller Pracht.
Die Region ist ausschließlich über dem Wasserweg erreichbar.
Der Rio Jutaí ist ein bedeutender Nebenfluss des Amazonas (Solimões-Abschnitt) im Nordwesten Brasiliens. Er ist ein typischer Schwarzwasserfluss. Sein Wasser ist durch gelöste Huminsäuren dunkelbraun bis schwarz gefärbt, was ihm eine teeähnliche Optik verleiht. Er durchfließt eine extrem abgelegene und ökologisch wertvolle Region im Westen Brasiliens. Der Fluss entspringt im Westen des Bundesstaates Amazonas und fließt über eine Länge von etwa 1.488 km, bevor er bei der Stadt Jutaí in den Rio Solimões mündet. Das Gebiet ist geprägt von unberührtem tropischem Regenwald, Igapó-Wäldern (Überschwemmungswälder) und einer immensen Artenvielfalt. Die Region ist fast ausschließlich per Schiff erreichbar.
Der Fluss fließt durch die Ökoregion der Juruá-Purus-Feuchtwälder. Er beheimatet die Reserva Extrativista Rio Jutaí, ein Schutzgebiet, in dem rund 400 Familien nachhaltigen Fischfang (z. B. Pirarucu und Tambaqui) betreiben, sowie von der Gewinnung von Naturprodukten wie Latex und pflanzlichen Ölen (Andiroba, Copaíba Loop) leben. Die Ufer sind von dichten Urwäldern und Sumpfgebieten gesäumt. Hier kann man exotische Vögel, seltene Fischarten und gelegentlich den Rosa Amazonas-Delfin beobachten.
Der Rio Jutai verläuft etwa parallel zum Juruá-Fluss und mündet am Südufer in den Amazonas. Die gleichnamige Stadt Jutaí liegt an seiner Mündung. Unser Reisevorteil: Schwarzwasserflüsse wie der Jutaí sind aufgrund ihres hohen Säuregehalts oft weniger von Moskitos geplagt als Weißwasserflüsse, was den Aufenthalt an Bord angenehmer macht.
Der Sonnenaufgang am Rio Jutai ist gigantisch.
Kurz nach 6.00h am Morgen besteigen wir die Zodiaks und stoßen in den Igapó-Wald (aus dem Tupi: „Wurzelwald“) vor. Der Dschungel hier ist ein einzigartiges Auwald-Ökosystem im brasilianischen Amazonasgebiet. Er ist durch eine saisonale Überflutung (4–7 Monate) gekennzeichnet. Mit den Zodiaks fahren durch den Wald. Die Bäume stehen bis zu 6 Meter unter Wasser. Diese Wälder beherbergen spezialisierte Pflanzen- und Tierarten in diesem nährstoffarmen Schwarzwasser.
Die Tierwelt in den Igapó-Wäldern der Jutaí-Region ist perfekt an den extremen Wechsel zwischen Trocken- und Flutzeit angepasst. Da der Boden monatelang unter Wasser steht, spielt sich das Leben der Säugetiere fast ausschließlich in den Baumkronen ab, während Fische und Reptilien in den überfluteten Wald vordringen.
Folgende Tiere findet man hier vor:
1.Primaten (Die Spezialisten der Baumwipfel).
+Roter Uakari
+Das Markenzeichen der Region. Dieser Affe mit dem auffällig roten, nackten Gesicht lebt fast ausschließlich in den überschwemmten Wäldern (Várzea und Igapó) und ernährt sich von hartschaligen Früchten.
+Schwarzer Totenkopfaffe: Häufig in den Uferzonen zu sehen, wo sie geschickt durch das dichte Geäst der überhängenden Bäume springen.
2. Wasserbewohner (Säugetiere & Reptilien)
+Amazonas-Delfin (Boto): Der rosa Flussdelfin nutzt die Hochwasserphase, um tief in den Wald hineinzuschwimmen und dort zwischen den Baumstämmen nach Fischen zu jagen.
+Riesenotter: Sie nutzen die fischreichen Schwarzwasserarme des Rio Jutaí als Jagdrevier.
+Schwarzer Kaiman: In den ruhigen, dunklen Gewässern des Igapó findet er ideale Verstecke.
3. Vögel
+Hoatzin (Stinkvogel): Ein archaisch aussehender Vogel, der in Gruppen in den Uferbüschen lebt. Die Jungen besitzen Krallen an den Flügeln, um bei Gefahr ins Wasser zu springen und wieder ins Nest zu klettern.
+Fischadler und Reiher: Sie konzentrieren sich an den Rändern der Igapós, wo die Sicht auf Beute im klaren oder dunklen Wasser besser ist als im trüben Weißwasser.
4. Fische
+Diskusfische und Skalare: Viele beliebte Aquarienfische stammen ursprünglich aus diesen sauren Schwarzwasserbiotopen.
+Tambaqui: Dieser Fisch spielt eine ökologische Schlüsselrolle, da er die ins Wasser fallenden Samen der Igapó-Bäume frisst und so zur Verbreitung des Waldes beiträgt.
Wir haben Glück: Trocknen Fußes kehren wir zum Schiff zurück. Danach setzt ein heftiger tropischer Regenschauer ein
Extreme Wechselseitigkeit im Amazonas Regenwald: Alles hängt mit allem zusammen
Auf unserer Reise auf dem Amazonas lernen wir Professor Dr. Lothar Staeck von der Technischen Universität Berlin kennen.
Seine These „Alles hängt mit allem zusammen“ ist kein bloßer Kalenderspruch, sondern das wissenschaftliche Fundament seiner ökologischen Betrachtung. Er nutzt sie, um die extreme Wechselseitigkeit im Amazonas-Regenwald zu erklären. Es ist lehrreich und spannend ihm zuzuhören.
In drei Säulen, macht er seine These „Alles hängt mit allem zusammen“ fest:
1. Das „Gesetz“ des Schwarzwassers (Rio Negro)
Staeck erklärt, warum es am Rio Negro kaum Mücken gibt:
+Die Kette: Das Wasser ist extrem sauer und nährstoffarm (durch Huminsäuren aus verrottendem Laub).
+Die Folge: Mückenlarven finden keine Nahrung und sterben.
+Der Zusammenhang: Da es kaum Insekten gibt, ist auch die Fischpopulation geringer als im Weißwasser. Die dort lebenden Menschen (Caboclos) müssen daher völlig andere Überlebensstrategien entwickeln (z. B. stärkerer Fokus auf Maniokanbau statt Fischfang) als an nährstoffreichen Flüssen.
2. Der Tambaqui und der Wald (Fruchtfressende Fische)
Ein faszinierendes Beispiel für die Verbindung von Fluss und Wald:
+Die Kette: Während der Regenzeit steht der Wald meterhoch unter Wasser (Várzea).
+Die Folge: Der Tambaqui (ein großer Speisefisch) schwimmt zwischen den Baumkronen und frisst herabfallende Früchte und Samen.
+Der Zusammenhang: Der Fisch verdaut das Fruchtfleisch, scheidet aber die Samen unbeschadet an anderer Stelle wieder aus. Ohne den Fisch würden sich viele Baumarten nicht verbreiten; ohne den Wald hätte der Fisch keine Nahrung.
3. Die „Fliegenden Flüsse“ (Transpiration)
Dieses Beispiel zeigt die globale Vernetzung:
+Die Kette: Ein einziger großer Urwaldbaum verdunstet bis zu 1.000 Liter Wasser am Tag.
+Die Folge: Diese gewaltigen Mengen an Wasserdampf bilden „fliegende Flüsse“ in der Atmosphäre, die durch Winde nach Süden transportiert werden.
+Der Zusammenhang: Dieser Mechanismus sorgt für Regen in den Agrargebieten Südbrasiliens und Argentiniens. Großflächige Abholzung im Amazonas führt also direkt zu Dürren in der Landwirtschaft tausende Kilometer entfernt.
Auch interessant: Der Sahara- Staub und der tropische Regenwald
Der Sahara-Staub spielt eine entscheidende Rolle für die Gesundheit und das Wachstum des brasilianischen Regenwaldes. Jährlich wehen enorme Mengen an Wüstenstaub über den Atlantik und dienen als lebenswichtiger Dünger für das Amazonas-Becken.
Schätzungen zufolge gelangen jährlich rund 27 bis 30 Millionen Tonnen Saharastaub in den Amazonas-Regenwald. Der Staub ist reich an Phosphor, einem essenziellen Nährstoff, der für das Pflanzenwachstum unerlässlich ist. Er enthält auch Eisen. Da die Böden im Amazonasgebiet oft nährstoffarm sind, gleicht der Phosphor aus der Sahara (besonders aus der Bodélé-Niederung im Tschad) den Mangel im Regenwald aus. Die Nährstoffe werden durch Passatwinde über den Atlantik transportiert. Ohne diese jährliche Zufuhr von außen wäre das üppige Wachstum des Regenwaldes in seiner heutigen Form nicht möglich.
Wenn der Himmel die Schleusen öffnet: Survival-Modus im Igapó-Wald
„Wenn es nicht regnen würde, hieße es ja nicht Regenwald.“ Diesen Satz sagten wir uns heute, wie ein Mantra auf, während der Amazonas-Regen in einer Intensität auf uns niederging, die man schlichtweg erlebt haben muss. Es war kein bloßes Tröpfeln – es war eine Wand aus Wasser. Trotz professioneller Regenkleidung gab es nach kürzester Zeit kein trockenes Fleckchen mehr an unseren Körpern. Aber genau das machte die Erfahrung so unmittelbar und echt.
Mit dem Zodiak gleiten wir durch das schier endlose Überschwemmungsgebiet des Igapó-Waldes. Es ist eine surreale Welt: Der Wasserspiegel ist aktuell um unglaubliche sechs Meter gestiegen. Wir fahren buchstäblich auf Augenhöhe mit den Baumkronen, die normalerweise hoch über den Köpfen in der Trockenzeit ragen. Unter uns stehen riesige Bäume komplett unter Wasser – ein spezialisiertes Ökosystem, das nur im Schwarzwasser überlebt.
Zwischen den Ästen entdeckten wir die bizarren Formen von Epiphyten und Bromelien, während Lianen wie dicke Taue von den niedrigeren, etwa 20 Meter hohen Baumwipfeln hingen. Besonders markant: die stolzen Açaí-Palmen, die dem Wasser trotzen und diesen Wald so charakteristisch machen.
Völlig durchnässt, aber tief beeindruckt, kehren wir zu unserem Schiff zurück. Dort wartete ein Anblick, der uns trotz der Kälte das Herz wärmte: Dutzende kleine Boote der indigenen Bevölkerung umringten das Schiff. Die Menschen waren aus ihren Flussbehausungen gekommen, um uns Früchte und handgefertigte Waren anzubieten. Geduldig verharrten sie in ihren Booten im strömenden Regen. Für sie ist dieses Wetter Alltag, für uns war es eine Lektion in Demut. Nur zweimal im Jahr kommt ein Schiff wie das unsere vorbei – ein seltener Moment des Austauschs in der Einsamkeit des überfluteten Waldes.
Erwachen im Amazonas: Eine morgendliche Pirsch am Rio Jutaí
Der Wecker ist unerbittlich, doch das Ziel rechtfertigt das frühe Aufstehen: Wir wollen dabei sein, wenn die Wildnis am Rio Jutaí erwacht. Noch hängen dichte Nebelschleier über dem Wasser, als wir lautlos mit dem Zodiac in einen schmalen Nebenarm gleiten. Der Außenborder läuft nur auf Standgas – eine Schleichfahrt in eine andere Welt.
Kaum haben wir die Hauptströmung verlassen, bricht das Konzert los. Der Dschungel singt, krächzt und pfeift. Für uns Laien ist das Dickicht aus Lianen und riesigen Baumkronen zunächst nur eine grüne Wand. Die Vögel sind Meister der Tarnung; oft sieht man nur ein kurzes Flattern, bevor sie wieder im Unterholz verschwinden. Sie sind schlichtweg zu flink für unsere Kameras.
Ein Glück, dass wir Christoph Meyer im Zodiak dabeihaben. Der Schweizer Vogelkundler kann den Wald wie ein offenes Buch lesen.
Allein an den Rufen erkennt er, wer sich im dichten Laub versteckt, und teilt sein Wissen mit einer Begeisterung, die ansteckt.
Plötzlich ein leuchtend gelber Blitz am Himmel: Ein Paar Gelbbrustaras fliegt lautstark über uns hinweg. Kurz darauf entdecken wir am Ufer eine Großschnabel-Seeschwalbe, die regungslos auf Treibholz lauert. Christoph deutet nach oben, wo Fischbussarde in den Ästen über dem Fluss thronen, bereit für den nächsten Stoßtauchgang. Während Rabengeier und Truthahngeier hoch oben in der Thermik kreisen, raschelt es in den ufernahen Bäumen – eine Gruppe von Guanen balanciert geschickt durch das Geäst. Es ist dieses Zusammenspiel aus Tukanausrufen, dem fernen Kreischen der Sittiche und dem tiefen schwarz des Flusses, das diesen Morgen unvergesslich macht. Der Rio Jutaí hat sich uns heute als wahres Paradies für Vogelliebhaber offenbart.
Der Rio Jutaí ist Lebensraum für eine Vielzahl exotischer Vögel.
Zu den im Amazonas-Gebiet um den Rio Jutaí vorkommenden Vögeln zählen:
+Gelbbrustara: Diese großen, bunten Papageien sind in der Region zu finden.
+Großschnabel-Seeschwalbe: Oft an den Ufern der Flüsse zu sehen.
+Rabengeier und Truthahngeier: Häufig anzutreffende Greifvögel.
+Fischbussarde: Jagen entlang der dicht bewaldeten Flussufer.
+Guane: Waldvögel, die in den Bäumen entlang des Flusses vorkommen.
Zusätzlich zu diesen Arten ist das Gebiet ein Hotspot für viele weitere Amazonas-Vögel, darunter verschiedene Arten von Papageien, Sittichen, Tukanen und Reihern, die in den dichten Wäldern und Sumpfgebieten leben.
Begegnung mit den Caboclos am Cuxiu Muni und die Nacht der leuchtenden Augen
Die Stille des Amazonas ist eine Täuschung. Als wir vor Boca de Cuxiu Muni – in Karten oft als São Francisco Da Boca Do Capivara verzeichnet – den Anker werfen, empfängt uns ein vielstimmiges Orchester aus Zikaden und fernen Vogelschreien. Wir sind tief im grünen Herzen Brasiliens, dort, wo die Geografie nur noch aus Wasserwegen und Blätterdächern besteht.
6:00 Uhr morgens: Das Erwachen im Igarapé
Ein wunderschöner Sonnenaufgang über dem Amazonas stimmt uns auf den Tag ein. Das Licht ist noch weich, als wir die Zodiaks besteigen. Wir gleiten in die Igarapés, jene schmalen Wasserarme, die wie Venen den Dschungel durchziehen. Es dauert nicht lange, bis wir fündig werden: Delfine sind auf der Jagd nach Beute. Einen Fischadler bekommen wir zusehen und jede Menge Vögel, eine Handteller große Spinne hängt über dem Wasser. Ein vielstimmiges Vogelkonzert ist zu hören. Der Dschungel ist erwacht. Die Luft riecht nach feuchter Erde und blühendem Leben.
Zu Gast bei den Caboclos
Im Dorf der Caboclos begegnen wir einer Kultur, die wie keine andere mit dem Rhythmus des Amazonas verschmolzen ist. Der Begriff stammt vom Tupi-Wort kaa'boc („vom Weißen herkommend“), doch ihre Seele ist tief im indigenen Wissen verwurzelt. Als Caboclos bezeichnet man in Brasilien traditionell die ländliche Bevölkerung des Amazonasbeckens, die aus der Vermischung von indigenen Ureinwohnern und europäischen Einwanderern (meist Portugiesen) hervorgegangen ist. Sie leben meist in kleinen Gemeinschaften an den Flussufern (Ribeirinhos). Ihr Alltag ist stark an den Rhythmus der Flüsse angepasst. Sie arbeiten vorwiegend als Kautschuk Zapfer (Seringueiros), Fischer und Kleinbauern, die Maniok, Bohnen und Mais für den Eigenbedarf anbauen.
Die Ribeirinhos (Flussbewohner) zeigen uns ihren Alltag: Wir sehen, wie geschickt sie Kautschuk zapfen – ein mühsames Erbe der Geschichte – und wie essenziell der Anbau von Maniok und Bohnen für ihr Überleben ist. Es ist eine beeindruckende Lektion in Genügsamkeit und Naturverbundenheit. Für sie ist der Wald kein Hindernis, sondern Lebensraum und spirituelle Heimat zugleich.
Die Nacht der leuchtenden Augen
Nach Sonnenuntergang wandelt sich die Szenerie. Dick eingehüllt in langärmelige Hemden und mit Moskitonetzen vor dem Gesicht, die uns wie Imker wirken lassen, wagen wir uns erneut hinaus. Die Nachtsafari ist ein sensorisches Abenteuer.
Sobald die Suchscheinwerfer die Dunkelheit durchschneiden, beginnt ein bizarres Spiel: Überall in den Bäumen blitzen kleine Lichtpunkte auf – die reflektierenden Augen der Tiere. Während wir nach Boas und Capivaras Ausschau halten, ziehen unsere Lampen Schwärme von Moskitos an, die wie ein lebendiger Nebel um uns tanzen. Doch die Geräuschkulisse – das Knacken, Rufen und Rascheln des nächtlichen Dschungels – lässt die Anstrengung vergessen. Hier, im Scheinwerferlicht, fühlt man sich klein gegenüber der gewaltigen, ungezähmten Natur des Amazonas. Wir entdecken eine große Boa im Baum, eine kleine ca. 1,50m lange Baby Boa in einem Strauch, einen Kaiman direkt am Zodiak. Auf dem nächtlichen Fluss ist viel Betrieb, hunderte Fledermäuse sind auf der Jagd und im Schilf am See leuchten Glühwürmchen um die Wette. Und über allem ein Sternenhimmel mit dem Kreuz des Südens. Großartig, dass ich das erleben darf!!!
Die unbändige Kraft des Amazonas: Abenteuer in Badajós
Wer nach Badajós reist, taucht in einen Lebensrhythmus ein, der seit Generationen vom Puls des mächtigen Rio Solimões bestimmt wird.
Einsamkeit
Wir setzen unsere Reise ab Cixiu Muni flussabwärts fort, tief hinein in das Herz von Codajás. Es gibt hier keine Straßen. Unser Schiff ist unser Verkehrsmittel, der Kompass das schlammige Braun des Wassers. Als wir den Bezirk Badajós erreichten, sehen wir die Häuser der Ribeirinhos, die auf Stelzen dem Himmel entgegenwachsen oder sanft auf dem Fluss schaukeln.
Hier lebt der „Elefanten des Amazonas“
Das eigentliche Highlight ist der Lago de Badajós. Dieser See ist kein gewöhnliches Gewässer – er ist ein Wunder der Nachhaltigkeit. Wir sind wieder mit unseren Zodiaks in dieser Auenlandschaft unterwegs.
Hier lebt der Pirarucu! Dieser Fisch ist ein Gigant, ein lebendes Fossil mit Schuppen so hart wie Rüstungen. Dank strenger Fischereiabkommen der Gemeinde ist der See heute einer der besten Orte weltweit, um zu sehen, wie Mensch und Natur im Einklang leben können. Es geht hier nicht um Massenfang, sondern um Respekt vor der Ressource.
Mehr als nur ein Superfood: Das wahre Açaí
In Europa kennen wir Açaí als hippe Smoothie-Bowl. In Codajás, der „Terra do Açaí“, ist es das Lebenselixier. In Badajós kann man die dunklen Beeren ganz frisch probieren. Der Geschmack? Erdig, kräftig und pur – oft serviert mit frisch gefangenem, knusprig gebratenem Fisch.
Zwischen Baumriesen und rosa Delfinen
Wenn die Sonne tiefer sinkt, verwandelt sich der See in einen Spiegel. Wir glitten an den gigantischen Samaumeira-Bäumen vorbei, während die Botos(Amazonas-Delfine) neben uns auftauchten. Es ist eine Welt, in die Vitoria Regia (Riesenseerose) den Teppich ausrollt. Pünktlich um 17.58h gehen die Blüten bei Sonnenuntergang auf.
Wir sehen ein Faultier im Baum. Kaum zu erkennen Frösche, Vögel und viele Wasserpflanzen. Bäume und Sträucher stehen unter Wasser, bis die Trockenzeit anbricht. Was wie Wiesen aussieht, sind schwimmende Sumppflanzen, die in der Trockenzeit im Schlamm verfaulen und beim ersten Regen wieder zum Leben erwachen.
In der Ferne sehen wir wie sich Regenwolken und zusammenziehen und Blitze zucken. In diese Stimmung hinein erleben wir einen schönen Sonnenuntergang.
Badajós ist etwas für Menschen, die die ungebändigte Kraft des Amazonas fühlen wollen.
Rio Negro - das schwarze Herz des Amazonas
Von Badajos aus sind wir jetzt auf dem Amazonas kurz vor Manaus, um eines der faszinierendsten Ökosysteme der Erde zu erkunden: den Rio Negro.
Rio Negro
Der Rio Negro ist mit ca. 2.253 km Länge (bzw. 2.400 km über den Rio Uaupés) der zweitgrößte Nebenfluss des Amazonas und der weltweit wasserreichste Schwarzwasserfluss. Er entspringt im kolumbianischen Hochland (Südwesten des Berglandes von Guayana), fließt durch Brasilien und mündet bei Manaus in den Amazonas. Sein dunkles Wasser, bildet beim Zusammentreffen mit dem sandfarbenen Rio Solimões das berühmte „Encontro das Águas“ (Treffen der Gewässer). Über den Río Casiquiare ist er mit dem Orinoco verbunden, was eine seltene natürliche Verbindung zwischen zwei großen Flusssystemen darstellt.
Das Wunder am Encontro das Águas
Früh am Morgen erleben wir dieses spektakuläre Encontro das Águas (Zusammenfluss der Wasser). Es ist ein surrealer Anblick: Das tiefschwarze, klare Wasser des Rio Negro trifft auf das lehmig-gelbe Weißwasser des Rio Solimões, wie der Amazonas hier heißt. Über eine Strecke von etwa sechs Kilometern fließen die beiden Ströme nebeneinanderher, ohne sich zu vermischen.Dieses Phänomen entsteht durch die krassen Unterschiede in Temperatur, Fließgeschwindigkeit und Dichte:
Der Rio Negro, das „Schwarzwasser“ ist mit ca. 28°C wärmer, fließt langsam (ca. 2 km/h) und ist sauer wie Tee, gefärbt durch Huminsäuren aus verrottendem Laub.
Der Rio Solimões: Das „Weißwasser“ ist mit ca. 22°C deutlich kühler, reißender (ca. 6 km/h) und reich an Sedimenten aus den Anden.
Einfahrt in den Rio Negro bei Manaus
Nachdem wir die Grenzlinie der Wasser passiert haben, dreht unser Schiff nach Nordwesten. Die Skyline von Manaus mit ihrer markanten Rio-Negro-Brücke im Hintergrund wurde kleiner, während die Ufer des Rio Negro näher rückten. Das Wasser des Flusses wirkt aus der Nähe wie flüssiger Onyx – so dunkel, dass es den Himmel und den dichten Regenwald perfekt spiegelt. Ein großer Vorteil des Schwarzwassers: Aufgrund des Säuregehalts gibt es hier kaum Stechmücken, was die Reise an diesem Flussabschnitt besonders angenehm macht.
Landgang in Praia Grande: Entspannung am weißen Flussstrand
Unser erster Stopp führte uns nach Praia Grande. Es ist kaum zu glauben, dass man sich tausende Kilometer vom Ozean entfernt befindet, wenn man an diesem strahlend weißen Sandstrand anlandet. In der Trockenzeit (meist zwischen September und Januar), wenn der Wasserstand des Rio Negro sinkt, kommen diese weiten Sandbänke zum Vorschein. Wir nutzten den Vormittag zum Relaxen am Strand und für ein erfrischendes Bad im warmen, weichen Wasser des Flusses – ein Moment purer Ruhe inmitten der Wildnis.
Zodiak Tour nach Ariaú: Abenteuer im Labyrinth der Igapós
Am späten Nachmittag geht es vom Schiff in die wendigen Zodiaks, um tiefer in die Nebenarme des Rio Negro vorzudringen. Unser Ziel war die Region um Ariaú, das berühmt ist für seine Igapós – überschwemmte Wälder, in denen die Bäume monatelang bis zu den Kronen im Wasser stehen.
Die Fahrt mit dem Zodiak ermöglichte es uns, lautlos durch die engen Kanäle zu gleiten. In Ariaú entdecken wir hoch oben in den Baumkronen Brüllaffen, die zum Fotografieren im Laub zu flink waren. Da war es mit den neugierigen Totenkopfäffchen schon besser. wir sehen riesige Würgefeigen und Bromelien, die auf den Ästen thronen und eine fast mystische Atmosphäre erzeugen.
Dann setzt leichter Regen ein. Wobei wir noch Glück haben und nicht allzu nass werden. In der Ferne sehen wir wie sich die Natur austobt und der Himmel seine Schleusen öffnet.
Als die Sonne unterging und den Himmel über dem Rio Negro in violette Töne taucht, haben wir das Gefühl, wieder ein Stück unberührtes Amazonien entdeckt zu haben.
Magie im Regenwald: Auf den Spuren der rosa Delfine und verlassener Ruinen
Unser Abenteuer beginnt in Manaus, dem Tor zum Amazonas. Von dort aus steuern wir mit dem Boot einen Nebenarm des Rio Negro an, um eines der faszinierendsten Tiere unserer Erde zu treffen: den Boto, den rosa Amazonas-Flussdelfin.
Rosa Flüssdelfin Boto
Das Erlebnis ist intensiv: Wir stehen auf einer schwimmenden Plattform im dunklen Wasser, während ein Guide die Tiere behutsam mit Fisch anlockt. Es ist ein Privileg, diesen „heiligen Boten“ so nah zu sein. Ihre rosa Färbung, die durch die dünner werdende Haut im Alter entsteht, wirkt in dem dunklen Fluss fast surreal. Besonders beeindruckend ist ihre Beweglichkeit: Da ihre Halswirbel nicht verwachsen sind, können sie den Kopf um 90 Grad drehen – eine perfekte Anpassung an das Labyrinth aus versunkenen Bäumen im überfluteten Wald.
Doch die Schönheit ist zerbrechlich. Der WWF warnt vor der starken Gefährdung durch Goldabbau (Quecksilber) und Staudämme. Um die Tiere zu schützen, ist der Kontakt streng reglementiert: Kein Sonnenschutz auf der Haut, kein direktes Anfassen und nur 15 bis 30 Minuten im Wasser, um den Stress für die Delfine gering zu halten.
Die Ruinen von Paricatuba
Mit den Geschichten der Indigenen im Kopf – wonach sich der Boto nachts in einen verführerischen jungen Mann in weißer Kleidung verwandelt – setzen wir unsere Fahrt fort. Unser Ziel: die Ruinen von Paricatuba.
Etwa eine Stunde von Manaus entfernt, in der Gemeinde Iranduba, liegt dieser geschichtsträchtige Ort. Das 1898 während des Kautschukbooms erbaute Gebäude ist ein stummer Zeuge des Wandels: Einst Luxushotel für italienische Siedler, später Kunstinstitut, Haftanstalt und schließlich bis in die 1960er Jahre Isolationsstation für Leprakranke. Heute hat die Natur sich ihr Terrain zurückgeholt. Gewaltige Baumwurzeln umschlingen die Mauern aus englischen Ziegeln und französischem Gestein, als wollten sie das Gebäude gleichzeitig zerdrücken und vor dem Verfall bewahren.
Ein Ort voller Kontraste – zwischen der lebendigen Mythologie des Flusses und der steinernen Melancholie der Vergangenheit.
Manaus: Zwischen Opernglanz und Dschungel-Rhythmus
Unsere Reise führt uns tief in das Herz Südamerikas. Wir erreichen Manaus, die Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Amazonas. Strategisch einzigartig liegt sie direkt an der Mündung des schwarzen Rio Negro in den sandfarbenen Amazonas. Als Sitz des römisch-katholischen Erzbistums und pulsierende Millionenmetropole ist Manaus eine Stadt der extremen Kontraste, in der prachtvolle Architektur des 19. Jahrhunderts auf das dichte, unbezähmbare Grün des Regenwaldes trifft.
Das kulturelle Herz: Teatro Amazonas
Bei unserer Stadtrundfahrt durch die Altstadt steht ein Ort im Mittelpunkt: das Teatro Amazonas. Es ist das unangefochtene Wahrzeichen der Stadt und eines der bedeutendsten Opernhäuser Brasiliens. Wer vor der prunkvollen Kuppel steht, die mit 36.000 Kacheln in den Nationalfarben Brasiliens aus dem Elsass verziert ist, spürt sofort den immensen Reichtum des Kautschukbooms.
Im Inneren setzt sich die Opulenz fort: Carrara-Marmor aus Italien, schottische Eisenstrukturen und Murano-Kronleuchter schaffen eine Atmosphäre, die man mitten im Dschungel kaum für möglich hält. Mein Blick blieb lange an der Deckenmalerei „Die Verherrlichung der Schönen Künste im Amazonas“ hängen. Zwar finden während unseres Besuchs leider keine Vorstellungen statt – wie gern hätte ich hier eine Aufführung erlebt! –, doch die Geister der Großen sind präsent. Legenden wie Luciano Pavarotti (1995), José Carreras und die Brasilianerin Bidú Sayão standen hier auf der Bühne. Nur die Geschichte um Enrico Caruso zur Eröffnung entpuppte sich als charmanter Mythos; er sang hier nie persönlich.
Glanz, Gummi und Moderne
Manaus, das einst als „Paris der Tropen“ galt, verdankt seinen Aufstieg dem Kautschukboom (ca. 1870–1910). Damals war die Stadt eine der ersten Brasiliens mit elektrischem Licht und Straßenbahnen. Doch so schnell der Reichtum kam, so abrupt endete er mit dem Schmuggel von Kautschuksamen nach Asien. Dieser Niedergang konservierte jedoch den historischen Kern, den wir heute bestaunen.
Heute präsentiert sich Manaus zweigeteilt: Einerseits als geschäftiges Industriezentrum (Zona Franca) für Elektronik und Motorräder, andererseits als unverzichtbares Tor zum Amazonas. Von hier aus starten die Expeditionen zum „Encontro das Águas“, dem Zusammenfluss der Ströme, und in die tiefen Jungle-Lodges.
Ein Fest für die Sinne: Mercado Municipal Adolpho Lisboa
Um 6:00 Uhr morgens, wenn die Stadt gerade erwacht, tauchen wir in das authentischste Erlebnis von Manaus ein: den Besuch des Mercado Municipal Adolpho Lisboa. Er ist das pulsierende Herz der Stadt. Die 1883 eröffnete Markthalle ist ein Jugendstil-Juwel, dessen gusseiserne Konstruktion – inspiriert von den Pariser Markthallen „Les Halles“ – oft Gustave Eiffel zugeschrieben wird.
Zwischen den verzierten Geländern aus Liverpool entfaltet sich ein Spektakel für die Sinne. Wir beobachten die „Manauaras“ bei ihrem täglichen Handel. Die Pavillons sind gefüllt mit den Schätzen des Regenwaldes:
• Fisch: Gigantische Exemplare wie der Tambaquioder der legendäre Pirarucu.
• Früchte: Exotische Düfte von Açaí und Cupuaçu.
• Handwerk: Stände mit indigenen Kunstwerken, Naturkosmetik und geheimnisvollen traditionellen Heilmitteln.
Die Atmosphäre ist eine berauschende Mischung aus schwüler Hitze, kolonialem Charme und dem produktiven Chaos einer modernen Großstadt. Manaus ist kein Ort für einen kurzen Stopp – es ist ein Erlebnis, das einen fordert und gleichzeitig tief beeindruckt zurücklässt.
Weiter geht die Expedition stromabwärts Richtung Belem.
Abschied von Manaus
„Leinen los!“ hieß es heute Abend in Manaus. Während die Lichter der Stadt langsam hinter uns verblassten, gleitet unser Schiff hinein in die Dunkelheit des Regenwaldes. Unser Ziel: Der Lago Canacari in der Nähe von Itacoatiara.
Naturwunder Lago Canacari am Amazonas
Dieser typische Várzea-See, der durch die jahreszeitlichen Überschwemmungen des Amazonas gespeist wird, empfängt uns mit einer unglaublichen Stille. Mit den Zodiacs drangen wir tief in das verzweigte Ökosystem vor. Über uns kreischten exotische Vögel, während wir am Ufer einen Einblick in das harte Leben am Fluss bekamen: Ein einsamer Landwirt bewirtschaftete dort eine Bananenplantage und hütete seine indischen Zebu-Rinder – ein Bild wie aus einer anderen Zeit.
Ein botanisches Highlight: Wir entdeckten die legendäre Victoria amazonica. Die riesigen Schwimmblätter dieser Seerose sind so gewaltig, dass sie fast wie künstliche Plattformen auf dem Wasser wirken.
Die Reise geht weiter zum Furo dos Botos, einem schmalen Wasserarm auf der Route zwischen Manaus und Parintins. Hier soll man gut rosa Flussdelfine beobachten können. Wir sind gespannt, was der Tag morgen bringt.
Von den mystischen Furos zur Farbenpracht von Parintins
Der frühe Morgen: Erwachen im „Labyrinth der Delfine“
Noch bevor die Äquatorsonne ihre volle Kraft entfaltet, beginnt unser Abenteuer. Während unser Schiff ruhig im Hauptstrom des Amazonas ankert, gleiten wir mit den wendigen Zodiaks in die Furos dos Botos. Diese natürlichen Kanäle bilden ein geheimnisvolles Netzwerk aus Wasserwegen, das die großen Flüsse mit versteckten Seen verbindet.
In der Stille des Morgens dringen wir tief in die gefluteten Savannen und Galeriewälder vor. Wir halten die Ferngläser bereit: In den Baumkronen regen sich Affen und bunte Vögel, während unter der Wasseroberfläche die Namensgeber dieses Ortes patrouillieren – die Boto-cor-de-rosa. Diese rosafarbenen Amazonasdelfine nutzen die Furos als perfekte Jagdgründe und Wege zwischen den Ökosystemen. Leider bekommen wir die Tiere heute am Morgen nicht zu Gesicht, so dass wir einen magischen Moment, in dem die Natur das Drehbuch schreibt, verpassen.
Der Nachmittag: Die geteilte Stadt auf der Insel
Nachmittags tauschen wir die Wildnis gegen Kultur und werden am Schiff von lokalen Booten abgeholt, um Parintins zu erkunden. Die Stadt liegt isoliert auf der Insel Tupinambarana und ist ein Phänomen: Sie ist buchstäblich zweigeteilt. Von den Hauswänden bis zu den Bordsteinen erstrahlt hier alles entweder in Rot (Boi Garantido) oder Blau (Boi Caprichoso).
Wir lassen uns stilecht mit den traditionellen Triciclos, den farbenfrohen Passagier-Dreirädern, durch die Straßen chauffieren. Unser Ziel ist das imposante Bumbódromo, eine Arena in Form eines Ochsenkopfes, die 35.000 Menschen Platz bietet und das pulsierende Herz der lokalen Identität darstellt.
Das Spektakel der Legenden – Boi-Bumbá
Zum krönenden Abschluss des Tages tauchen wir tief in das Boi-Bumbá-Festival ein, eines der faszinierendsten Volksfeste Brasiliens. Wir erleben eine explosive Mischung aus Theater, Tanz und Musik, die die Legende vom Tod und der Wiederauferstehung des geliebten Ochsen erzählt.
Nach dem Karneval in Rio de Janeiro, das wichtigstes Festival in Brasilien, das jährlich hunderttausende Besucher in den Regenwald anlockt, um bei dem Spektakel dabei zu sein.
Darum geht es:
Im Mittelpunkt steht die Geschichte des Tods und der Wiederauferstehung eines geliebten Ochsen (Boi). Die Hauptfiguren: Die schwangere Sklavin Catirina hat Heißhunger auf eine Ochsenzunge. Ihr Mann, Pai Francisco, tötet daraufhin den kostbarsten Ochsen seines Herrn. Der Diebstahl fliegt auf, doch mit Hilfe von Heilern, indigenen Schamanen (Pajés) und Gebeten erwacht der Ochse am Ende wieder zum Leben. Alle feiern gemeinsam.
+Boi Garantido: Der „Ochse des Volkes“ in leuchtendem Rot mit dem Herz auf der Stirn, der für Tradition und pure Emotion steht.
+Boi Caprichoso: Der „Ochse des Sterns“ in tiefem Blau, der mit Magie, Innovation und amazonischer Mythologie besticht.
In einer Welt aus gigantischen, beweglichen Figuren (Alegorias) und den mitreißenden Rhythmen der Toada-Musik verschmelzen indigene, afrikanische und europäische Einflüsse zu einem UNESCO-Weltkulturerbe, das man nicht nur sieht, sondern im ganzen Körper spürt. Ein Tag, der mit der Stille des Dschungels begann und im Jubel der Arena endet.
Vom tanzenden Ochsen zum „Meeting of the Waters“
Rio Tapajós trifft Amazonas
Noch immer hallen die ekstatischen Rhythmen des Boi Bumbá in unseren Köpfen nach – die Farben, der Gesang und die pure Energie der gestrigen Nacht stecken uns noch in den Knochen. Doch der Amazonas schläft nicht, und unser Schiff gleitet bereits tiefer hinein in das Herz von Pará, dorthin, wo die Wildnis noch ihre eigenen Regeln schreibt.
Unser Ziel: Die Region des Rio Curuá-Una. Doch bevor wir die Einsamkeit des Nebenflusses erreichen, erwartet uns bei Santarém ein visuelles Spektakel der Extraklasse. Wir stehen an der Reling und beobachten voller Spannung wie zwei Welten aufeinanderprallen: Das kristallklare, fast smaragdgrüne Wasser des Rio Tapajós trifft auf den gewaltigen, lehmgelben Strom des Amazonas.
Es ist ein surrealer Anblick. Wie mit dem Lineal gezogen fließen die beiden Giganten kilometerweit nebeneinanderher, ohne sich zu vermischen – ein stummes Duell der Elemente. Der Rio Tapajós wirkt hier an der Mündung mit seinen zwölf Kilometern Breite fast mächtiger als der Amazonas selbst, eine riesige glitzernde Fläche, die an ein Binnenmeer erinnert.
Wir lassen das „Tor zum Tapajós“ hinter uns und biegen in den Rio Curuá-Una ein.
Kampf gegen die Elemente
Dann wird es ernst. Die Durchsage zur Ausschiffung ertönt, doch der Amazonas zeigt uns seine Zähne. Ein plötzlicher Wind peitscht das Wasser auf, und die Strömung zerrt an unserem Schiff. Das Manövrieren der Zodiaks wird zur Herausforderung; die kleinen Boote tanzen wie Nussschalen auf den Wellen. Erst als der Kapitän unser Hauptschiff mit Präzision in den Wind dreht und uns Deckung gibt, wagen wir den Sprung in die Boote. Ein Adrenalinkick.
Seenlandschaft des Rio Curuá-Una
Wir durchstreifen die Seenlandschaft des Rio Curuá-Una. Wir hören sie, aber sehen sie nicht: Bruellaffen, die den ganzen Dschungel beschallen. So wie das ohrenbetäubende Gekreische gekommen ist, ist es auch wieder still. Unser Guide erklärt uns, dass es sich um Revierkämpfe handelt. Wir sehen Vögel und eine einzigartige Seenlandschaft.
Nachdem wir die Ufer des Curuá-Una erkundet haben, geht es zurück zum Schiff, das wieder Fahrt aufnimmt. Unser Ziel: Alter do Chão, dass „Karibik des Amazonas” mit seinem feinen, weißen Strand. Morgen soll uns ein Paradies erwarten. Wir sind gespannt.
Alter do Chao - Karibik des Amazonas
Alter do Chão, ein charmantes Fischerdorf im brasilianischen Bundesstaat Pará, wird aufgrund seiner spektakulären Süßwasserstrände und des kristallklaren, smaragdgrünen Wassers oft als „Karibik des Amazonas“ bezeichnet. Es liegt etwa 30 bis 36 Kilometer von Santarém entfernt am Ufer des Rio Tapajós, kurz bevor dieser in den Amazonas mündet.
Die Highlights der „Karibik des Amazonas“ ist die Ilha do Amor (Insel der Liebe): Das Postkartenmotiv der Region. In der Trockenzeit (August bis Dezember) erscheint diese Sandbank direkt vor dem Dorf und bietet weiße Sandstrände mit einer hervorragenden Infrastruktur aus Strandhütten. Der Lago Verde (Grüner See) umschließt die Ilha do Amor und ist bekannt für sein ruhiges, grünlich schimmerndes Wasser.
Morro da Piraoca
Ein Wanderweg führt auf den. Morro da Piraoca, einem Hügel, der einen 360-Grad-Panoramablick über das Dorf, den Rio Tapajós und den Lago Verde bietet.
Kulinarik und Kultur
Die Region ist bekannt für ihre authentische Küche und lebendige Traditionen:
Es gibt lokale Fischgerichte wie Tambaqui oder Pirarucu sowie regionale Spezialitäten wie Tacacá. Der traditionelle Tanz und Musikstil Carimbó ist tief in der lokalen Kultur verwurzelt. In Alter do Chão finden regelmäßig Aufführungen und Feste statt.
Natur und Umwelt
Unter dem Dorf befindet sich der Aquífero Alter do Chão, eines der weltweit größten unterirdischen Süßwasserreservoirs, das eine enorme ökologische Bedeutung hat. Die Umgebung bietet zudem Zugang zum Nationalwald FLONA Jamaraquá, wo jahrhundertealte Bäume zu bestaunen sind.
Beim Baden in flachen Gewässern wird empfohlen, die Füße im Sand zu schlurfen, um nicht versehentlich auf im Sand vergrabene Süßwasserrochen zu treten.
Ufersiedlung Virassaia und Guajara am Ufer des Rio Juara
Virassaia
Sehr früh am Morgen beginnt unser Tag am mächtigen Amazonas, als unser Zodiak lautlos die kleine Ufersiedlung Virassaia erreicht. Hier ist der Amazonas 10 KM breit.Die Luft ist kühl und feucht, erfüllt vom vielstimmigen Konzert des Regenwaldes. In dieser abgelegenen, artenreichen Überflutungsregion scheint die Natur noch unberührt und ursprünglich.
Schon beim ersten Blick wird klar: Dies ist ein Paradies für Naturbeobachter. Zwischen dichten, vom Wasser durchzogenen Wäldern und verschlungenen Kanälen verstecken sich seltene Vogelarten. Wir entdecken Sittiche, Leguane und Greifvögel.Reiher gleiten elegant über die Wasseroberfläche, während Kormorane reglos auf Ästen verharren, als würden sie über das stille Schauspiel wachen.
Von unserem Zodiak aus bewundern wir den Ort Virassia mit seinen Häusern auf Stelzen. Wir gleiten hinein in dieses Labyrinth aus Wasserwegen, durch enge Igarapés, vorbei an überfluteten Baumstämmen, deren Kronen sich im dunklen Wasser spiegeln. Jeder Moment wirkt intensiv: das Rascheln im Dickicht, das ferne Rufen eines Vogels, das sanfte Plätschern des Wassers am Bootsrumpf. Hier wird wieder die unglaubliche Vielfalt des Amazonas greifbar – eine Welt, die gleichzeitig geheimnisvoll und überwältigend lebendig ist.
Nach diesen eindrucksvollen Stunden kehren wir zum Schiff zurück, die Zodiaks an Bord geholt und der Anker gelichtet, und langsam setzen wir unsere Reise fort – tiefer hinein in das Herz des Juruá-Guajará-Gebiets. Während das Schiff den Fluss hinaufgleitet, verändert sich die Stimmung. Die wilde, fast unberührte Natur von Virassaia weicht allmählich einer menschlich geprägten Landschaft.
Guajara am Ufer des Rio Jurua
Als wir Guajará erreichen, bleibt die Hektik der modernen Welt außen vor. Die kleine Stadt liegt ruhig am Ufer des Rio Juruá, und ihr Leben ist untrennbar mit dem Wasser verbunden. Im Hafen legen die typischen „Gaiolas“ an – kunstvoll gebaute Holzboote, die Waren, Geschichten und Menschen aus den entlegensten Regionen des Regenwaldes zusammenbringen.
Entlang der Flussufer prägen einfache Holzhäuser auf Stelzen – sogenannte Palafitas – das Bild. Sie schützen die Bewohner vor den regelmäßigen Hochwassern und erzählen gleichzeitig von einem Leben im Einklang mit den Kräften der Natur. Abseits des kleinen Ortskerns beginnt sofort wieder der dichte, primäre Regenwald, als hätte er nie Platz gemacht.
Erneut steigen wir in die Zodiaks und erkunden die Umgebung. Auf dem Juruá und seinen Seitenarmen offenbart sich eine der artenreichsten Regionen der Erde – oft als „grünes Meer“ bezeichnet. Die Dimensionen sind kaum zu begreifen: endlose Wälder, durchzogen von Wasseradern, die sich wie ein lebendiges Netzwerk durch die Landschaft ziehen. Hier spürt man wieder einmal mehr die gewaltige Größe des Amazonasbeckens. Wir erleben Wasserbüffel, Brüllaffen und Kapuzineraffen in den Baumwipfeln. Unter dem Laubdach der Bäume mehr zu erahnen, als zu fotografieren. Um uns herum Flussdelfine, Vögel und gut getarnte Leguane.
Das Leben der Ribeirinhos (den Flussbewohnern), folgt den Rhythmen der Natur – dem Steigen und Fallen des Wassers, den Jahreszeiten des Waldes. Wir beobachten ihre kunstvollen Techniken des Fischfangs.
Dabei wird auch das indigene Erbe spürbar, das bis heute tief im Alltag verwurzelt ist. Das Wissen über Heilpflanzen, die enge Verbindung zum Wald und der respektvolle Umgang mit der Natur sind hier gelebte Realität.
Am Ende des Tages werden wir mit einem wunderschönen Sonnenuntergang belohnt.
Furos de Breves
Der Regen kommt ohne Vorwarnung. Eben noch hing die Luft schwer und still zwischen den Baumriesen, dann öffnet sich der Himmel über dem Amazonas – warm, dicht, unerbittlich. Innerhalb von Sekunden ist alles durchnässt: das Deck, die Kleidung, die Haut. Es ist ein Regen, der nicht stört, sondern dazugehört. Schließlich trägt der Regenwald seinen Namen nicht zufällig.
Langsam gleitet das Schiff in die legendären „Furos de Breves“, ein Labyrinth aus schmalen Wasseradern tief im Herzen der Insel Ilha de Marajó. Der Lotse hat eine kühne Idee: Einer der engsten Kanäle soll befahren werden. Zwölf Meter Wassertiefe machen es möglich. Der Kapitän zögert kurz – dann nickt er. Ein leises Vibrieren geht durch das Schiff, und das Abenteuer beginnt.
Was eben noch wie ein endloser, offener Strom wirkte, zieht sich plötzlich zusammen. Der Regenwald rückt näher, immer näher, bis er scheinbar nach dem Schiff greift. Äste streifen fast die Bordwand, Lianen hängen wie Vorhänge über dem Wasser. Es ist, als würde man durch die Adern eines lebendigen, atmenden Organismus fahren.
Dann zeigt sich das Leben am Ufer.
Zwischen den Palmen tauchen die ersten Stelzenhäuser auf – bunte Holzbauten, die sich auf dünnen Pfählen über das Wasser erheben. Kinder rennen heraus, lachen, winken, rufen. Frauen legen ihre Arbeit nieder, Männer stoppen ihre Boote. Innerhalb weniger Minuten wird aus einem ruhigen Flussufer eine Bühne. Kleine Einbäume stoßen sich vom Ufer ab und begleiten das Schiff ein Stück.
In einer Schule wird sogar der Alltag unterbrochen und der Unterricht ruht. Ganze Klassen strömen winkend ans Wasser. Ein großes Schiff ist hier kein alltäglicher Anblick – es ist ein
Ereignis. Und jeder möchte Teil davon sein.
Ilha de Marajo
Die Insel selbst ist eine Welt für sich. Mit einer Fläche von bis zu 48.000 Quadratkilometern ist die Ilha de Marajó die größte Flussinsel der Erde – ein Mosaik aus Mangroven, Savannen und überfluteten Wäldern. Hier gibt es kaum Straßen, kaum Verbindungen aus Asphalt. Stattdessen sind es die Flüsse, die alles bestimmen: Transportwege, Lebensadern, Orientierung.
Auch die Wirtschaft folgt dem Rhythmus des Wassers. Açaí-Palmen dominieren die Landschaft, ihre dunkelvioletten Früchte sind Lebensgrundlage und Exportschlager zugleich. Fischer holen Garnelen aus den trüben Wassern, während Holzflöße gemächlich durch die Kanäle treiben und das Holz schließlich in Sägewerken am Flussufer bearbeitet wird Alles bewegt sich – aber nie hastig.
Je tiefer das Schiff in die Furos vordringt, desto intensiver wird der Klang des Regenwaldes. Papageien kreischen hoch über den Baumwipfeln, Brüllaffen lassen ihr tiefes Grollen durch das Dickicht hallen, und das Wasser klatscht rhythmisch gegen die Wurzeln der Ufervegetation. Die Luft ist dicht, fast greifbar – erfüllt vom Duft nach feuchter Erde, Holz und süßen Blüten.
Und mitten in dieser scheinbar unberührten Wildnis vollbringt die Besatzung eine stille Meisterleistung. Es ist kaum zu glauben, wie präzise das große Schiff durch die engen Windungen gesteuert wird. Zentimeterarbeit – während die Natur ringsum keinerlei Kompromisse kennt.
Pirarucu und die Früchte es Amazonas
Am Ende dieser Passage wartet noch ein letzter Höhepunkt: An Deck wird ein frisch gefangener Pirarucu serviert – einer der größten Süßwasserfische der Welt. Dazu ein Buffet voller exotischer Früchte aus dem Amazonasgebiet. Süß, intensiv, fremd – ein Geschmack, der ebenso unvergesslich ist wie die Reise selbst.
Abschied
Denn diese Reise ist mehr als nur eine Route. Sie begann weit entfernt in Iquitos in Peru und führte über rund 4.500 Kilometer durch das Herz Südamerikas und endet nun hier, kurz vor Belém in Brasilien, wo der Amazonas sich in den Atlantik ergießt.
Morgen, in aller Frühe, wird das Schiff anlegen. Dann heißt es Abschied nehmen – vom Fluss, vom Regenwald, von dieser eigenen Welt. Die Rückreise führt über São Paulo und Madrid zurück nach München.
Doch eines bleibt: das Gefühl, für einen kurzen Moment Teil dieses gewaltigen, lebendigen Systems gewesen zu sein – dort, wo Wasser und Wald den Takt vorgeben und der Mensch nur Gast ist.
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Boi Bumba in Parintins, Brasilien
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Argentinien: Vom ewigen Eis zu smaragdgrünen Seen
Regine und ich haben nach unserer unvergesslichen Reise in die Antarktis beschlossen, noch ein weiteres Naturparadies Südamerikas zu entdecken: die Seenlandschaft rund um Bariloche im Norden Patagoniens. Was uns erwartete, war eine Reise durch glasklare Seen, uralte Wälder, schroffe Berge und endlose Weiten – eine Landschaft von beeindruckender Vielfalt und Schönheit.
Ankunft in San Carlos de Bariloche
Schon beim Anflug auf Bariloche eröffnet sich ein atemberaubender Blick auf den tiefblauen Nahuel-Huapi-See und die schneebedeckten Gipfel der Anden. Die Stadt liegt malerisch am Südufer des Sees und wirkt mit ihrer alpinen Architektur fast wie ein kleines Stück Schweiz in Südamerika.
Ein erster Höhepunkt ist die Fahrt in den Raum Llao Llao mit dem berühmten Panoramarundweg Circuito Chico. Die Straße schlängelt sich entlang glitzernder Seen und dichter Wälder. Immer wieder halten wir an Aussichtspunkten, um den Blick über den Nahuel-Huapi-See und die umliegenden Berge schweifen zu lassen. Besonders beeindruckend ist die Aussicht vom Campanario-Hügel – ein Meer aus Wasser, Inseln und grünen Hügelketten.
Auf der Ruta 40 zum Nationalpark Los Alerces
Von Bariloche aus fahren wir auf der legendären Ruta 40 Richtung Süden. Die Straße führt durch einsame Landschaften, vorbei an Seen und durch weite Täler Patagoniens. Ziel ist der Nationalpark Los Alerces – ein UNESCO-Weltnaturerbe.
Hier erwarten uns türkisfarbene Seen wie der Lago Futalaufquen, eingerahmt von dichtem Wald und schroffen Bergen. Besonders faszinierend sind die jahrtausendealten Alerce-Bäume, die zu den ältesten Baumarten der Welt zählen. Bei Wanderungen entlang der Ufer genießen wir die Stille und die klare Bergluft.
Weiterfahrt nach Gualjaina – Naturwunder Piedra Parada
Unsere Reise führt uns weiter in die abgelegenere Region rund um Gualjaina. Hier erhebt sich die spektakuläre Felsnadel Piedra Parada, ein monumentaler Monolith, der weithin sichtbar aus der Steppe ragt.
Besonders beeindruckend ist die fünf Kilometer lange Schlucht mit ihren intensiv roten Felswänden. Bei unserer Wanderung durch den Canyon fühlen wir uns wie in einer anderen Welt. Wind und Wasser haben bizarre Formationen geschaffen, und das warme Farbspiel der Felsen leuchtet im Sonnenlicht in allen Rottönen.
Zurück nach Norden – Villa La Angostura
Von Futalaufquen fahren wir wieder nordwärts, entlang des Nordufers des Nahuel-Huapi-Sees, nach Villa La Angostura. Der kleine Ort wirkt ruhig und charmant, umgeben von Wäldern und Bergen.
Ein besonderes Erlebnis ist die Wanderung auf der Halbinsel Quetrihué, die für ihren einzigartigen Myrtenwald bekannt ist. Die Zimtbäume mit ihrer glatt schimmernden, zimtfarbenen Rinde wachsen hier dicht an dicht – ein märchenhafter, fast verwunschener Wald. Der Weg führt bis zum äußersten Punkt der Halbinsel, wo wir mit einem herrlichen Blick über den See belohnt werden.
Die legendäre Sieben-Seen-Route nach San Martín de los Andes
Ein weiterer Höhepunkt ist die Fahrt entlang der berühmten „Ruta de los Siete Lagos“. Die Strecke verbindet Villa La Angostura mit San Martín de los Andes und führt vorbei an einer Kette kristallklarer Seen – jeder mit eigener Farbe und eigenem Charakter.
Immer wieder halten wir an, um Fotos zu machen oder einen kurzen Spaziergang ans Ufer zu unternehmen. Das Zusammenspiel aus Wasser, Wald und schneebedeckten Gipfeln begleitet uns auf der gesamten Strecke.
Ausflug in den Nationalpark Lanín
Von San Martín de los Andes aus unternehmen wir einen Ausflug in den Nationalpark Lanín. Majestätisch erhebt sich der perfekt geformte, 3.776 Meter hohe Vulkan Lanín über die Landschaft.
In den tiefer gelegenen Bereichen wachsen jahrtausendealte Araukarien – urzeitlich anmutende Bäume, die dieser Region ihr charakteristisches Bild verleihen. Bei einer Wanderung durch diese Wälder erleben wir eine besondere Atmosphäre: still, ursprünglich und kraftvoll.
Durch das Valle Encantado zurück nach Bariloche
Die Rückfahrt nach Bariloche führt uns durch das weite Tal des Collón Curá und entlang des Limay-Flusses. Besonders beeindruckend ist das sogenannte Valle Encantado – das „verzauberte Tal“. Wind und Erosion haben hier bizarre Felsformationen geschaffen, die wie Skulpturen aus der Landschaft ragen.
Die Farben wechseln von Ocker über Grau bis hin zu rötlichen Tönen. Es ist eine karge, aber faszinierende Landschaft, die einen starken Kontrast zu den waldreichen Seengebieten bildet.
Abschluss in Buenos Aires
Nach diesen intensiven Naturerlebnissen fliegen wir von Bariloche in die pulsierende Metropole Buenos Aires. Noch einmal genießen wir das südamerikanische Flair, bevor wir schließlich den Rückflug nach Deutschland antreten.
Die Seenlandschaft rund um Bariloche ist ein wahres Naturjuwel. Zwischen tiefblauen Seen, schneebedeckten Vulkanen, uralten Wäldern und bizarren Felsformationen haben Regine und ich eine Region kennengelernt, die uns durch ihre Vielfalt und Ursprünglichkeit tief beeindruckt hat. Nach der eisigen Weite der Antarktis war Patagonien mit seinen Wäldern, Seen und Bergen der perfekte Abschluss unserer Südamerikareise – eine Landschaft voller Kontraste, Farben und unvergesslicher Eindrücke.
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Reiseimpressionen Seenlandschaft Argentiniens rund um Bariloche
Chile - Mit dem Postschiff durch die Fjorde
Mit dem Postschiff durch die chilenischen Fjorde. Die Fähre Navimag verkehrt zwischen Puerto Montt und Puerto Natales (und umgekehrt). Die Reise dauert in der Regel 4 Tage (3 Nächte). Einziger planmäßiger Halt ist das isolierte Fischerdorf Puerto Edén, das nur über den Seeweg erreichbar ist.
Diese Reise ist ein Übergang – vom bewohnten Chile in die Weite Patagoniens. Wer Patagonien fühlen will, nimmt das Postschiff.
Als ich im Hafen von Puerto Montt stand, fühlte sich alles noch gewöhnlich an. Möwen schrien, Lastwagen rollten über die Kaimauer, Container wurden verladen. Doch als ich die Gangway des Schiffes der Reederei Navimag hinaufging, hatte ich das Gefühl, etwas hinter mir zu lassen – nicht nur die Stadt, sondern auch Tempo, Empfang, Struktur.
Meine Kabine war klein. Zwei Betten, ein Bullauge, Metallwände. Kein Luxus. Aber genau das wollte ich. Als die Leinen gelöst wurden, stand ich an Deck. Der Himmel war grau, die Luft roch nach Regen. Langsam entfernte sich die Küste. Häuser wurden zu Punkten, Punkte verschwanden im Dunst.
Wir glitten hinein in die Welt der Patagonische Kanäle – schmale Wasserwege zwischen steilen, bewaldeten Bergen. Es fühlte sich an, als würde ich in ein geheimes Labyrinth eintreten.
In der Nacht wurde das Meer rauer. Ich lag in meiner Koje und hörte, wie Wellen gegen den Rumpf schlugen. Das Schiff vibrierte. Für einen Moment fragte ich mich, warum ich nicht einfach geflogen war. Aber genau dieses leichte Unbehagen machte es real.
Am Morgen war das Meer bleigrau. Ich zog mich warm an und ging nach draußen. Der Wind traf mich wie eine Wand. Und dann – als würde Patagonien mir ein Geschenk machen – tauchten Delfine neben dem Bug auf.
An Bord passierte wenig – und gleichzeitig alles. Ich trank Kaffee, starrte in die Landschaft, sprach mit einem Fischer aus dem Süden, der mir erzählte, dass diese Route für ihn Alltag sei. Für mich war sie ein kleines Lebensereignis.
Es gab Momente absoluter Stille. Keine Straßen. Keine Häuser. Nur Wasser, Berge und Wolken. Ich fühlte mich winzig.
Es gibt Orte, die wirken wie eine Randnotiz auf der Landkarte. Puerto Edén ist so einer.
Hier macht die Navimag halt zum Ladungsaustauch. Man fühlt die Einsamkeit Patagoniens.
Puerto Edén liegt auf der abgelegenen Insel Wellington in den patagonischen Fjorden – tief im Labyrinth der Kanäle zwischen Puerto Montt und Puerto Natales. Es gibt keine Straßen dorthin. Kein Auto kommt hierher. Nur wenige Versorgungsschiffe – unter anderem die Route von Navimag – verbinden den Ort mit der Außenwelt. Puerto Edén ist einer der letzten Orte, an denen Mitglieder des indigenen Volkes der Kawésqar leben – einst Nomaden der Kanäle, die in Kanus durch diese Fjordwelt zogen. hre Kultur ist eng mit dem Meer verbunden. Heute ist sie stark bedroht – Puerto Edén ist einer ihrer letzten Rückzugsorte.
Weiter geht es entlang von Gletschern, die bis zum Kanal reichen nach Puerto Natales.
Als wir uns Puerto Natales näherten, war ich fast enttäuscht. Die bunten Häuser wirkten plötzlich laut. Zivilisation nach Tagen in der Wildnis.
Hier beginnt für viele das Abenteuer im Torres del Paine National Park. Aber für mich hatte es schon begonnen – irgendwo zwischen Nebel, Wind und diesen endlosen Fjorden.
Selten habe ich so eine Landschaft erlebt, die mich so entschleunigt hat. Kein Entertainment. Keine Ablenkung. Nur Natur in ihrer Größe.
Ich bin nicht einfach von A nach B gereist. Ich bin auf der Reise mit der Navimag langsamer geworden. Und vielleicht ist genau das das größte Abenteuer.
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Reieseimpressionen mit der Navimag durch die chilenischen Fjorde
Abenteuer Galápagos – Inselhopping mit dem Speedboot
Meine zweite Reise zu den Galápagos-Inseln – und diesmal sollte es rasant werden. Statt Kreuzfahrtschiff entschied ich mich für Inselhopping mit dem Speedboot. Mehr Freiheit, mehr Nähe zur Natur, mehr Abenteuer.
Meine Anreise von Guayaquil nach San Cristobal
Gestartet bin ich in Guayaquil, von wo aus das Flugzeug Richtung Pazifik abhob. Schon beim Landeanflug auf San Cristóbal wird klar: Hier beginnt eine andere Welt. Türkisblaues Wasser, schwarze Lavafelder und die ersten Seelöwen begrüßen mich bereits im Hafen – mein Speedboot wartet schon.
Der Galápagos-Archipel liegt rund 1.000 Kilometer vor der Küste Ecuador direkt am Äquator. 19 größere und über 40 kleinere Inseln bilden einen einzigartigen Naturraum. Vulkanische Landschaften, bizarre Lavaformationen, weiße Traumstrände – und eine Tierwelt, die es so nirgendwo sonst auf der Erde gibt.
Auf Darwins Spuren
1831 betrat ein junger Naturforscher diese Inseln: Charles Darwin. Seine Beobachtungen der unterschiedlichen Finkenarten führten später zur Evolutionstheorie. Sein Werk, On the Origin of Species, gilt bis heute als Meilenstein der Wissenschaft.
Auf Galápagos fühlt man sich tatsächlich wie in einem „Labor der Evolution“. Tiere kennen kaum Scheu, Begegnungen passieren auf Augenhöhe – intensiv, unmittelbar und unvergesslich.
Die besuchten Inseln im Überblick:
San Cristóbal – Das Reich der Seelöwen
San Cristóbal gilt als „Hauptquartier der Seelöwen“. Sie liegen auf Bänken im Hafen, spielen in den Wellen und begleiten Schnorchler durchs Wasser.
Am Strand La Lobería tummeln sich hunderte Tiere. Bei Las Tijeretas beobachte ich Fregattvögel im Gleitflug, während unter mir Seelöwen durchs Wasser schießen.
Blaufußtölpel nisten an der Punta Carola, Meerechsen wärmen sich auf schwarzem Lavagestein – Natur pur, direkt und unverfälscht.
Floreana – Mystik und Geschichte
Nächster Stopp: Floreana. Die Insel ist klein, ruhig und geheimnisvoll.
In der legendären Post Office Bay steht seit dem 18. Jahrhundert ein Holzfass, das Walfänger als inoffizielles Postamt nutzten. Auch heute hinterlassen Reisende Postkarten und nehmen andere mit – ein besonderer Brauch.
Schnorcheln bei der „Teufelskrone“, Flamingos in Lagunen und die abgeschiedene Siedlung
Isabela – Vulkane und bewegende Geschichte
Mit 4.640 km² ist Isabela die größte Insel des Archipels. Hier ragt der Wolf-Vulkan 1.707 Meter in den Himmel – der höchste Punkt der Galápagos-Inseln.
Im Arnaldo-Tupiza-Schildkröten-Aufzuchtzentrum sehe ich hunderte Riesenschildkröten – von winzigen Jungtieren bis zu beeindruckenden Kolossen.
Ein emotionaler Moment erwartet mich an der Muro de las Lágrimas – der „Mauer der Tränen“. Gefangene einer ehemaligen Strafkolonie errichteten dieses 25 Meter hohe Bauwerk unter unsäglichen Bedingungen. Ein stiller Ort, der Geschichte spürbar macht.
Santa Cruz – Das lebendige Zentrum
Santa Cruz ist das touristische Herz der Galápagosinseln. Im Hochland begegnet man Riesenschildkröten in freier Wildbahn.
Das Charles Darwin Research Station gibt spannende Einblicke in Naturschutzprojekte. Am Traumstrand Tortuga Bay genieße ich weißen Sand und türkisfarbenes Wasser.
Ein Highlight ist Gordon Rocks – bekannt für Hammerhaie. Ich wage mich ins Wasser nachdem man mir nachdrücklich versichert das diese Haiart für Menschen ungefährlich ist.
North Seymour – Vogelparadies
Auf North Seymour erlebe ich große Kolonien von Fregattvögeln und Blaufußtölpeln aus nächster Nähe. Seelöwen, Land- und Meerechsen kreuzen meinen Weg.
Beim Schnorcheln bei Las Tintoreras entdecke ich Ammenhaie in Felsspalten, Galápagos-Pinguine und Meeresschildkröten – ein faszinierendes Unterwasserleben.
Baltra – Abschied vom Archipel
Endstation ist Baltra, getrennt von Santa Cruz durch den schmalen Itabaca-Kanal.
Die trockene Landschaft mit Opuntia-Kakteen und Palo-Santo-Bäumen wirkt karg, doch hier lebt der Galápagos-Landleguan. Eine besondere Geschichte: In den 1930er-Jahren wurden Leguane nach North Seymour gebracht. Als sie 1954 auf Baltra ausstarben, ermöglichte die dortige Population später die Wiederansiedlung. Heute durchstreifen wieder hunderte Tiere die Insel – manchmal sogar nahe der Landebahn.
Rückflug nach Quito
Von Baltra geht es schließlich zurück aufs Festland nach Quito.
Im Gepäck: unzählige Eindrücke von einer Reise, die mehr ist als nur Urlaub. Galápagos ist ein Ort, der Demut lehrt. Ein Ort, an dem Natur noch das Sagen hat.
Und eines ist sicher: Es war meine zweite Reise dorthin – aber hoffentlich nicht meine letzte.
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Reiseimpressionen Galapagos
Am Ende der Welt: Abenteuer in Feuerland
Ich landete in Ushuaia an einem grauen Morgen. Der Wind peitschte mir sofort ins Gesicht, als ich aus dem kleinen Flughafen trat – der Geruch von Salzwasser und nassem Holz lag in der Luft. Ushuaia, die südlichste Stadt der Welt, wirkte wie aus einem anderen Universum. Zwischen den schneebedeckten Andengipfeln und den dunklen Südbuchenwäldern fühlte ich mich, als hätte ich die Zivilisation hinter mir gelassen.
Die Stadt selbst trägt die Spuren ihrer bewegten Geschichte: Gegründet wurde sie Mitte des 19. Jahrhunderts, zunächst als Strafkolonie. Die karge Wildnis sollte Sträflinge fern von der Außenwelt bändigen, doch die Natur war stärker als jede Gefängnismauer. Heute erinnert nur noch die alte Gefängnisanlage an diese Zeit, und der legendäre „Ferrocarril Austral Fueguino“ – der Gefängniszug – verbindet Vergangenheit und Gegenwart auf faszinierende Weise.
Feuerland: Land der Feuer und der wilden Küsten
Feuerland, oder Tierra del Fuego, bedeutet „Land der Feuer“. Ferdinand Magellan, der 1520 die Küsten dieser südlichsten Ecke Südamerikas entdeckte, sah die zahlreichen Feuer der Selk’nam, einer der indigenen Gruppen, und gab der Inselgruppe ihren Namen. Später siedelten auch die Yámana und andere Ureinwohner hier – Menschen, die in extremer Kälte lebten, jagten und das raue Land respektierten.
Die Inselgruppe ist geteilt: Seit 1881 gehört der östliche Teil zu Argentinien (Provinz Tierra del Fuego), der westliche Teil zu Chile. Die Landschaft ist so dramatisch wie ihre Geschichte – Gletscher, Fjorde, Torfmoore, schneebedeckte Andengipfel und Südbuchenwälder. Jeder Windstoß, jeder Sturm erinnert daran, dass hier die Natur das Sagen hat – und dass die Menschen, die hier überlebten, besonders widerstandsfähig sein mussten.
Abenteuer im Nationalpark Tierra del Fuego
Nur zehn Kilometer von Ushuaia entfernt beginnt unser Abenteuer im Nationalpark Tierra del Fuego. Mit Gummistiefeln, Regenhose und Schwimmweste ausgerüstet, stapften wir durch matschigen Wald. Jeder Schritt knirschte auf dem vom Regen aufgeweichten Boden, während die Äste der Bäume wie uralte Finger in den Himmel ragten. Ich konnte fast die Geister der Selk’nam spüren, die hier einst lebten, die Flüsse paddelten und ihre Lager am Ufer errichteten.
Unterwegs besuche ich den Postkollegen Carlos am südlichsten Postamt der Welt im Bahia Ensenada Nationalpark. Ihn hatte ich schon vor mehreren Jahren bei meinem ersten Besuch in Feuerland kennen gelernt.
Am See Acigami warteten aufblasbare Kanus auf uns. Die Kälte schnitt in meine Hände, als wir über die Flüsse Lapataia und Ovando glitten. Die Bucht Lapataia, wo wir unsere Fahrt beendeten, wirkt wie ein abgeschiedenes Paradies: rau, windig, ungezähmt – genau wie Feuerland seit Jahrhunderten.
Ruta Nacional 3 – Sturm über den Anden
Am nächsten Tag führte uns die Ruta Nacional 3 durch die Anden. Wir fahren vorsichtig über den Pass Garibaldi. Ein kurzer Halt in Tolhuin brachte Erleichterung: Die Bäckerei La Unión war ein warmer, duftender Zufluchtsort, in dem die Geschichten der Menschen lebendig wurden, die sich hier inmitten der Wildnis durchschlugen.
Weiter ging es zum Kap San Pablo, wo ein verlassener Leuchtturm über die Klippen wachte. Am Ufer lag die „Edésdemona“, ein gestrandetes Schiff aus den 1980er Jahren. Ich stellte mir vor, wie die Seeleute damals gegen die unbarmherzigen Wellen gekämpft haben – die Wildnis Feuerlands ist seit Jahrhunderten ungezähmt und fordert Respekt.
Auf den Spuren der Vergangenheit – Ferrocarril Austral Fueguino
Der nächste Tag begann am Bahnhof von Ushuaia. Der alte Dampflokpfiff des „Ferrocarril Austral Fueguino“ hallte durch die Täler, während wir durch zerstörte Wälder und über zerklüftete Hänge fuhren. Baumstümpfe, die „Tocones“, erzählten von einer Zeit, in der Menschen die Wälder rücksichtslos nutzten.
An der Kaskade De la Macarena besuchten wir eine Nachbildung einer Selk’nam-Siedlung. Ich berührte die einfache Holzhütte und stellte mir vor, wie diese Menschen in eisiger Kälte jagten, Fische fingen und Feuer lodern ließen – und spürte eine tiefe Verbindung zur Geschichte Feuerlands.
Beagle-Kanal – Begegnung mit der Wildnis
Am Nachmittag führte uns das Abenteuer aufs Wasser. Der Beagle-Kanal, nach dem Forschungsschiff benannt, das die Region 1831 erforschte, lag vor uns wie ein silbernes Band zwischen schroffen Ufern. Seelöwen reckten sich faul, Kormorane flogen kreischend über das Wasser, und in der Ferne entdeckten wir eine Pinguinkolonie.
Dann tauchte der Leuchtturm am Ende der Welt auf. Die Wellen schlugen gegen das Boot, der Wind zerrte an meiner Jacke, und plötzlich war alles still – nur der Leuchtturm ragte unbeirrbar in die tosende Wildnis. Hier, an diesem abgeschiedenen Ort, spürt man nicht nur die Natur, sondern auch die Geschichte Feuerlands, die Jahrhunderte zurückreicht: von den Selk’nam und Yámana über Magellan bis zu den heutigen Abenteurern.
Feuerland ist kein Ort für die Bequemen. Es ist ein Abenteuer für jene, die Wind, Wasser, Wildnis und Geschichte gleichermaßen erleben wollen. Jeder Schritt, jeder Paddelschlag und jeder Atemzug hier erinnert daran, dass man am Ende der Welt angekommen ist – und dass die Geschichten dieses Landes noch immer lebendig sind.
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Reiseimpressionen Feuerland
Zwischenstopp in Bogota / Kolumbien: Facettenreiche, lebendige Metropole und bewegte Geschichte sowie koloniales Erbe
Ein spontaner Zwischenstopp in Bogotá fühlt sich zunächst widersprüchlich an. Einerseits warnt das Auswärtiges Amt vor erhöhter Kriminalität und rät zu besonderer Vorsicht – und tatsächlich fällt sofort die starke Polizei- und Militärpräsenz im Stadtbild auf. Andererseits pulsiert hier das kulturelle Herz Kolumbiens, lebendig, geschichtsträchtig und umgeben von beeindruckender Andenlandschaft.
Mit rund acht Millionen Einwohnern im Stadtgebiet ist Bogotá der größte urbane Ballungsraum des Landes. Die Hauptstadt liegt auf 2.640 Metern Höhe in der Hochebene Sabana de Bogotá, eingerahmt von den markanten Bergen der Kordilleren Cerro de Monserrate (3152 m) und Cerro de Guadalupe (3317 m), die das Panorama prägen und fast von überall sichtbar sind.
Hoch über der Stadt – Monserrate
Mein erster Weg führt mich hinauf auf den Monserrate. Der Aufstieg lohnt sich in jedem Fall. Auf 3.152 Metern Höhe öffnet sich ein atemberaubender Blick über das scheinbar endlose Häusermeer. Auf dem Gipfel thront die weiß getünchte Basilika mit dem Schrein des „El Señor Caído“, einer im 17. Jahrhundert geschaffenen Christusfigur. Der Wallfahrtsort strahlt eine besondere Ruhe aus – ein starker Kontrast zum geschäftigen Treiben der Millionenmetropole tief unten.
Glanz vergangener Kulturen – Museo del Oro
Ein absolutes Highlight ist das Museo del Oro. Mit zehntausenden präkolumbianischen Goldartefakten beherbergt es eine der bedeutendsten Sammlungen ihrer Art weltweit. In einem abgedunkelten Raum funkeln filigrane Sonnen, Tiere und mystische Figuren – viele Fundstücke stammen aus der sagenumwobenen Lagune von Guatavita, die mit dem Mythos von El Dorado verbunden ist. Hier wird Geschichte greifbar und lebendig.
La Candelaria & Plaza de Bolívar
Das historische Zentrum La Candelaria versprüht kolonialen Charme: Kopfsteinpflaster, bunt gestrichene Häuser, kleine Cafés und Galerien. Straßenkunst trifft hier auf jahrhundertealte Architektur. Im Herzen der Altstadt liegt die Plaza de Bolívar, umgeben von Kathedrale, Kongressgebäude und Justizpalast. Der Platz ist nicht nur geografisches, sondern auch politisches und historisches Zentrum des Landes – ein Ort, an dem sich Kolumbiens Vergangenheit und Gegenwart begegnen.
Grüne Oase – Simón-Bolívar-Park
Zur Erholung bietet sich der weitläufige Parque Simón Bolívar an. Seen, Radwege und große Grünflächen laden zum Durchatmen ein – ein angenehmer Rückzugsort vom Trubel der Großstadt.
Auf den Spuren der Unabhängigkeit
Weiter geht die Reise Richtung Norden zur historischen Puente de Boyacá nahe Tunja. Hier besiegte Simón Bolívar am 7. August 1819 die spanischen Truppen – ein entscheidender Moment im südamerikanischen Unabhängigkeitskampf. Der Sieg ebnete den Weg zur Einnahme Bogotás und zur Gründung von Großkolumbien. Heute ist das Gelände ein nationales Denkmal und stiller Erinnerungsort an eine bewegte Epoche.
Kolonialer Zauber – Villa de Leyva
Nur wenige Stunden von Bogotá entfernt liegt die malerische Kolonialstadt Villa de Leyva. Gegründet 1572, scheint hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein.Die gewaltige Plaza Mayor zählt zu den größten gepflasterten Plätzen Südamerikas. Weiß getünchte Häuser mit roten Ziegeldächern, enge Gassen und historische Kirchen prägen das Stadtbild. Seit 1954 steht der Ort als nationales Denkmal unter Schutz und bewahrt bis heute seinen authentischen Charakter.
In der Umgebung finden sich zudem bedeutende Fossilienfundstätten – ein faszinierender Kontrast zur kolonialen Architektur.
Ich übernachte in einem Hotel mit kolonialem Ambiente. Seit dem 16.Jahrhundert hat sich nicht viel verändert.
Klosteridylle – Santo Ecce Homo
Ein Abstecher führt zum abgelegen auf einem Hügel gelegenen Kloster Santo Ecce-Homo. Das 1620 errichtete Dominikanerkloster beeindruckt durch seine schlichte Bauweise aus Stein und Ziegel. Kreuzgang, Kirche und Innenhof strahlen eine fast meditative Ruhe aus – ein Ort zum Innehalten.
Genussvoller Ausklang
Den Abend verbringe ich auf einem Weingut in der Umgebung. Während die Sonne langsam hinter den Anden versinkt, färbt sich der Himmel in warme Gold- und Rottöne. Ein Glas regionaler Wein in der Hand, lasse ich die Eindrücke Revue passieren. Kolumbien zeigt sich facettenreich: lebendige Metropole, bewegte Geschichte, koloniales Erbe und beeindruckende Natur. Trotz der notwendigen Vorsicht bleibt vor allem eines im Gedächtnis – die Herzlichkeit der Menschen und die kulturelle Tiefe dieses Landes.
Ein Zwischenstopp, der weit mehr war als nur eine Etappe auf meiner Reise durch Südamerika.
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Reiseimpressionen Bogota / Kolumbien und Umgebung
Bolivien: Mythos Titicacasee
Tiefblau und kristallklar liegt der Titicacasee vor mir, eingebettet in die karge Weite des Altiplano. Am Horizont ragen die über 6000 Meter hohen Gipfel der Cordillera Real in den Himmel, schneebedeckt und ehrfurchtgebietend. Die Luft auf 3812 Metern ist dünn, jeder Schritt bewusster, jeder Atemzug kostbar. Und doch fühlt sich dieser Ort an wie ein Ursprung – nicht nur geografisch, sondern mythisch.
Der See gilt in der indigenen Überlieferung als Wiege eines ganzen Reiches. Hier, so erzählt man, wurde der erste Inka-König Manco Cápac geboren. Von der Sonneninsel aus soll er nach Cusco gezogen sein, wo die Inka-Zivilisation später zu ihrer gewaltigen Blüte fand. Ein weiterer Mythos berichtet vom Schöpfergott Viracocha, der aus den Wassern des Sees emporstieg, um Sonne und Mond zu erschaffen. Wenn das Abendlicht den See in Gold taucht, erscheint diese Legende plötzlich greifbar.
Mit 8.372 Quadratkilometern ist der Titicacasee der größte Süßwassersee Südamerikas. 4.916 km² gehören zu Peru, 3.372 km² zu Bolivien. Seine durchschnittliche Tiefe beträgt 107 Meter. Selbst sein Name ist geheimnisvoll: „Titi“ bedeutet im Aymara „Puma“, „kaka“ kann „Blei“ oder „grau“ heißen – vielleicht also „bleifarbener Puma“. Manche Historiker vermuten, der Name beziehe sich auf einen heiligen Felsen auf der Sonneninsel.
Meine Reise beginnt in Copacabana, einem bedeutenden Wallfahrtsort Boliviens. In der Basilika thront die dunkle Holzstatue der Virgen de la Candelaria, Schutzpatronin der Region. Ich werde Zeuge eines ungewöhnlichen Rituals: Autos, Busse und Lastwagen rollen vor die Kirche, geschmückt mit Blumen und Girlanden. Priester bespritzen sie mit Weihwasser – eine Segnung gegen Unfälle und Pannen. Die Besitzer knien daneben, manche mit Tränen in den Augen. Es ist Glaube und Alltagsrealität zugleich – eine spirituelle Autoversicherung auf bolivianische Art.
Von Copacabana aus fahre ich mit dem Boot hinaus zur Isla del Sol. Die Überfahrt ist ruhig, das Wasser schimmert in tiefem Blau. Auf der Insel, so heißt es, erschien einst der Schöpfergott und erschuf Manco Cápac und seine Schwesterfrau Mama Oclla. Zwischen kleinen Dörfern ziehen sich steinerne Pfade über die Hügel, vorbei an Terrassen und uralten Ruinen. Besonders beeindruckt mich der „Stein des Pumas“, Titi Khar’ka – jener Ort, der dem See möglicherweise seinen Namen gab.
Am Steg werde ich abgeholt. Eine kleine Karawane aus Lamas und Eseln bringt mich zu meiner Unterkunft. Der Weg führt über steinige Pfade, vorbei an Feldern, auf denen Quinoa wächst. Am Abend färbt sich der Himmel purpurrot, und die Sterne scheinen zum Greifen nah.
Am nächsten Tag begegne ich den Uru, einem indigenen Volk, das für seine schwimmenden Inseln bekannt ist. Aus Totora-Schilf bauen sie nicht nur ihre Boote – sogenannte Balsas –, sondern ganze Inseln. Die Basis bilden mächtige, miteinander verflochtene Wurzelblöcke, Khili genannt, ein bis zwei Meter dick. Darauf werden Schichten aus frischem Schilf gelegt. Jede Insel ist mit Seilen an Eukalyptuspfählen verankert, die tief im Seeboden stecken. Auf größeren Inseln leben bis zu zehn Familien, auf kleineren nur zwei oder drei. Ursprünglich dienten diese Siedlungen der Verteidigung – bei Gefahr konnten sie einfach verlegt werden.
Ich treffe auch den berühmten Bootsbauer Demetrio Limachi. Gemeinsam mit Paolino Esteban baute er für Thor Heyerdahl das Schilfboot Ra II. 57 Tage dauerte die Überfahrt von Thor Heyerdahl über den Atlantik bis nach Barbados – ein waghalsiges Experiment, das die Seetüchtigkeit prähistorischer Boote beweisen sollte. Limachi erzählt mit leuchtenden Augen von dieser Zeit. Noch heute fertigt er Repliken für Museen in aller Welt.
Den Abschluss meiner Reise bildet die Begegnung mit einem Schamanen der Kallawayas. Dieses Volk ist berühmt für sein umfassendes Wissen über Naturmedizin. Der Heiler spricht von der Pachamama – Mutter Erde –, mit der man im Einklang leben müsse. Er zeigt mir getrocknete Kräuter, Wurzeln und Mineralien. Jede Pflanze hat ihre Geschichte, jede Krankheit ihre spirituelle Dimension. Rituale, Gebete und Opfergaben stellen das Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur wieder her.
Als ich den Titicacasee verlasse, bleibt mehr als nur die Erinnerung an eine spektakuläre Landschaft. Es ist das Gefühl, an einem Ursprungsort gewesen zu sein – einem Ort, an dem Mythos, Geschichte und Gegenwart ineinanderfließen wie das Licht der Andensonne im tiefblauen Wasser des Sees.
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Reiseimpressionen Titicacasee





































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































